BMW E24 – Der bayerische Haifisch

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Vor 37 Jahren, im Jahr 1975, rollte bei Karmann der erste BMW der 6er-Reihe, firmenintern E24 genannt, vom Band. Mit diesem großen Sportcoupé, einem waschechten Gran Tourismo, wollte man den Rivalen aus Stuttgart und Sindelfingen das Fürchten lehren und ein automobiles Statement setzen. Die Baureihe E24 stand in direkter Konkurrenz zum SLC von Mercedes Benz sowie zum Porsche 928 und wurde mit einer Auflage von 86 219 Stück im Zeitraum von 1975 bis 1989 gebaut. Ihm sollte gelingen, was seinem Vorgänger, dem bildschönen Coupé der Baureihe E-9, immer verwehrt geblieben war, nämlich BMW mit einem Coupé im Luxussektor zu positionieren.

Die Entstehung

Obwohl die ersten 6er-Coupés, die auf der Bodengruppe der 5er-Baureihe E-12 basierten, bereits im Oktober 1975 vom Band liefen, wurde die Baureihe offiziell erst auf dem Genfer Autosalon des Jahres 1976 vorgestellt. Entworfen wurde das große BMW-Coupé vom legendären Designer Paul Bracq, der mit dem 6er einen zeitlosen Wagen schuf, der bis heute, 37 Jahre nach seiner Premiere, nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat.

BMW 635 CSI E24 von 1976. Foto: BMW Press

Typisch für die damalige Designlinie von BMW war die spitz zulaufende Fahrzeugfront, die dem 6er bald den Spitznamen Haifisch einbrachte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger E-9 verfügte der 6er über eine B-Säule, die der verbesserten Crash-Sicherheit geschuldet war. Der Innenraum bestach durch ergonomisch geformte Sitzschalen hinten und optionale Sportsitze vorne. Die Armaturen nahmen bereits die Designsprache der kommenden 80er-Jahre vorweg. Im 6er wurde auch die kurz zuvor mit den Baureihen E-12 und E-21 eingeführte Tradition der zum Fahrer hin orientierten Mittelkonsole weitergeführt. So war dem 6er von Beginn an die Gunst des Publikums sicher.

Modellvarianten und technische Daten

In den 14 Jahren, in denen das 6er-Coupé gebaut wurde, wurden ausschließlich 6-Zylinder-Reihenmotoren verbaut.
Zur Fahrzeugeinführung des BMW 6 CS im Jahr 1975 wurden ein 3,0 Liter Vergasermotor sowie ein 3,2 Liter Einspritzmotor im 6er verbaut. Diese beiden Modelle, der 630CS und der 633CSi, markierten den Beginn einer langen Erfolgsgeschichte. Preislich lagen diese Modelle bei ungefähr DM 40 000.

Eine der auffälligsten Neuerungen im 6er war sicherlich die Check-Control, die dem Fahrer eine ständige Rückmeldung über Abblendlicht, Bremslicht, Kühlwasserstand, Motorölstand sowie Scheibenwaschwasser lieferte. Neben einer umfangreichen Serienausstattung, die unter anderem Teilledersitze und elektrische Fensterheber umfasste, konnte man auch technische Innovationen wie eine Klimaanlage und ein elektrisches Schiebedach als Sonderausstattung ordern. Der 6er galt mit seinen Goodies als Technologieträger seiner Zeit und viele Entwicklungen, die später zum automobilen Standard gehörten, kamen im 6er das erste Mal zum Einsatz.

BMW 635 CSI in der Seitenansicht – diese Linien gefallen und so sind die ersten E24 heute gesucht. Foto: Hersteller

Im Jahr 1978 wurde der 635CSi mit 3,5 Liter Einspritzmotor präsentiert. Er brachte im Gegensatz zu den Modellen 630CS und 633CSi wesentlich besserer Fahrleistungen bei deutlich geringerem Verbrauch. Äußerlich wurde die neue Sportlichkeit durch einen eigenen Front- sowie Heckspoiler unterstrichen. Sportliche Zierstreifen entlang der Seite und am Frontspoiler ließen endgültig keine Zweifel mehr an der Kraft, die unter der Motorhaube des 635CSi schlummerte.

Mit einer Leistung von 218 PS war der 635CSi eine ernste Gefahr für seine direkten Konkurrenten Porsche 928 und Mercedes Benz SLC 450, die er mit seinen Beschleunigungswerten übertraf, obwohl beide über leistungsstarke V8-Motoren verfügten. Ein Jahr nach der Markteinführung des 635CSi präsentierte BMW den 628CSi, der von nun an den 630CS ersetzen sollte. Dank Benzineinspritzung und moderner Motorsteuerung verbrauchte der 628CSi wesentlich weniger Benzin als der 630CS, erreichte aber dennoch dessen Fahrleistungen.

Ein BMW der auch ans Mittelmeer passt? Mit dem E24 kein Problem, die Form eines Coupés war schon fast unanständig sexy für die sonst eher kantige Formensprache. Foto: Hersteller

Im Jahr 1982 kam es zum ersten Face Lift. Die nachfolgend gebauten Modelle wurden intern 6 CS/1 genannt und unterschieden sich von den bis dato gebauten 6 CS sowohl innerlich als auch äußerlich. Die bisherige Basis E-12 wurde von der Basis des E-28, der zweiten 5er-Baureihe, abgelöst. Auch der Innenraum versprühte nicht mehr den 70er-Jahre-Flair des E-12, sondern bestach durch viel schwarzes Plastik und nüchternes 80er-Jahre-Design wie im E-28.

Die Motorsteuerung Motronic und ABS gehörten zu den größten technischen Neuerungen des Face Lifts. Ein Bordcomputer errechnete Durchschnittsgeschwindigkeit und -verbrauch sowie die Reichweite des Tankinhalts. Das digitale Zeitalter war somit endgültig im Auto angekommen. Der Preis für einen BMW 635CSi betrug zur damaligen Zeit etwa DM 61 000.

Im Jahr 1984 ließ BMW die Katze in Form des M635CSi aus dem Sack. Dessen technische Daten waren eine eindeutige Ansage und ließen keine Fragen mehr offen. Der Motor stammte aus dem legendären Sportwagen M1, wobei er im M635CSi mit 286 PS sogar noch mehr leistete. Vier Ventile pro Zylinder, zwei oben liegende Nockenwellen und sechs Einzeldrosselklappen machten das intern M88 genannte Aggregat des M635CSi zu einem Meisterwerk des Motorenbaus.

Er wusste sich in Szene zu setzen, der E24. Zu Zeiten der Ölkrise setzte BMW den Kunden ein leistungsstarke Coupé vor die Nase und hatte Erfolg! Bis 1989 blieb der 6er E24 im Programm. Foto: Hersteller

Auch äußerlich ließ der M635CSi dank breitem Front- und Heckspoiler sowie dreiteiligen BBS-Felgen mit breiten Reifen keine Zweifel an seiner Bestimmung aufkommen. BMW konnte mit dem M635CSi zahlreiche Erfolge im Motorsport verzeichnen und wer sich mit dem M635CSi ein Stück Motorsport in die Garage holen wollte, musste dafür etwa DM 90 000 aufbringen.

Im Jahr 1987 unternahm BMW das zweite Face Lift. Äußerlich glich man die Modelle durch breitere Stoßdämpfer mehr den US-Modellen an, es kam auch wesentlich weniger Chrom zum Einsatz. Der 628CSi wurde eingestellt, der 635CSi und der M635CSi waren von nun an serienmäßig mit Katalysator erhältlich. Am 14. April 1989 lief der letzte 6er, ein 635CSi, vom Band und die Modellreihe E24 wurde nach 14 Jahren Bauzeit eingestellt.

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